Blackmagic hat Resolve 21 im April angekündigt, seit Juni läuft die stabile Fassung. Was die neue Photo-Page, die KI-Werkzeuge und der Stimmengenerator in der täglichen Postproduktion wirklich verändern — und wo Vorsicht angebracht ist.
Blackmagic hat im April eine Photo-Page in eine Videoschnittsoftware eingebaut. Das klingt nach einer Fußnote und ist in Wahrheit die interessanteste Ansage der letzten Jahre — weil sie zeigt, wohin die Postproduktion insgesamt läuft: alles in einem Programm, alles über dieselbe Farblogik, alles gemeinsam abnehmbar.
01 — Der StandDie Public Beta wurde Mitte April 2026 kurz vor der NAB Show angekündigt, die stabile Fassung folgte im Juni, das jüngste Wartungsupdate — 21.0.4 — kam Anfang August. Das kostenlose Resolve bleibt kostenlos, die Studio-Variante kostet weiterhin 295 US-Dollar als Einmalkauf. An dieser Preisstruktur hängt mehr, als man auf den ersten Blick vermutet: Sie ist der Grund, warum in kleinen Häusern und in Hollywood dieselbe Software läuft.
Die sichtbarste Neuerung ist die Photo-Page. Standbilder lassen sich importieren, verwalten und mit dem vollständigen DaVinci-Farbwerkzeugkasten bearbeiten — Primaries, Kurven, Qualifier, Power Windows, node-basiert statt in Ebenen. Ein LightBox-View zeigt ein ganzes Album mit angewendeten Graden, Änderungen aktualisieren sich in Echtzeit über die Sammlung. Alben tauchen als Timelines auf der Color-, Cut- und Edit-Page auf, Tethered Capture von Sony- und Canon-Kameras läuft direkt hinein, und über Blackmagic Cloud arbeitet ein verteiltes Team am selben Bestand.
Dazu kommt eine Reihe von KI-Werkzeugen in der Studio-Version, die den Alltag stärker verändern als die Photo-Page:
Aus Kundensicht ist der Nutzen unmittelbar. Eine Kampagne besteht selten nur aus einem Film. Es gibt den Spot, die Cutdowns, die Stills aus dem Dreh, die Motive für Print und Social. Bisher liefen Bewegtbild und Standbild durch getrennte Programme mit getrennter Farblogik — und sahen am Ende zuverlässig unterschiedlich aus. Wenn dieselben Nodes, dieselben LUTs und derselbe Look auf beides angewendet werden, verschwindet ein Abstimmungsproblem, das nie jemand in ein Angebot geschrieben hat, aber jeder kennt.
Für die Produktion heißt das konkret: Der Set-Fotograf kann tethered in dasselbe Projekt schießen, in dem der Film liegt. Der Look wird einmal entwickelt und gilt für alles. Und die Freigabe läuft über eine Oberfläche statt über drei Exportrunden.
»Ein Update macht keinen Film besser. Es macht nur die Umwege kürzer, die vorher zwischen den Programmen lagen.«
Marvinfilm — Postproduktion
Der Speech Generator erzeugt aus zehn Sekunden Aufnahme eine synthetische Stimme. Technisch beeindruckend, rechtlich heikel: Eine Stimme ist Teil des Persönlichkeitsrechts. Wer ein Voiceover klonen will, braucht die ausdrückliche Zustimmung der Sprecherin — und zwar für genau diesen Zweck, nicht als Nebensatz im Standardvertrag von vorgestern. Bei Sprecherverträgen gehört die Klausel inzwischen zur Grundausstattung.
De-Aging und Gesichtsretusche berühren die zweite Frage: Ab wann ist eine Veränderung so weitreichend, dass der fertige Inhalt unter die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 Absatz 4 der KI-Verordnung fällt? Retusche und Farbkorrektur gelten als Standardbearbeitung. Ein spürbar verjüngtes Gesicht in einem Testimonial ist etwas anderes — dort behauptet das Bild eine Realität, die es nicht gibt. Die Details dazu stehen in unserem Beitrag zur Kennzeichnungspflicht.
Und CineFocus? Die nachträgliche Schärfentiefe ist ein wunderbares Rettungswerkzeug für Aufnahmen, die knapp daneben liegen. Sie ist kein Ersatz für eine Optik und keine Ausrede für einen unkonzentrierten Drehtag. Wer am Set spart, weil es die Post ja richtet, zahlt hinten das Doppelte — in Stunden statt in Miete.
04 — PraxisDer große Vorteil ist nicht die Funktionsliste, sondern der entfallene Umweg. Schnitt, Grading, Compositing in Fusion und Tonmischung in Fairlight liegen in einem Projekt. Kein Roundtrip, kein Renderzwischenschritt, keine Versionsverwirrung zwischen vier Programmen. Bei einem Spot mit fünf Sprachfassungen und drei Formaten entscheidet genau das über den Abgabetermin.
Der zweite Vorteil ist die Zusammenarbeit. Über Blackmagic Cloud sitzen Cutter, Colorist und Kunde nicht mehr im selben Raum, sondern schauen auf denselben Stand. Für Abnahmen, die früher zwei Termine und eine Anreise gekostet haben, ist das der eigentliche Gewinn — und in einer Stadt mit dem Verkehrsaufkommen Münchens ein Argument für sich.
Wo wir trotzdem aussteigen: bei sehr komplexem Compositing mit vielen Elementen, umfangreicher 3D-Integration und Pipelines, in denen mehrere Dienstleister an demselben Shot arbeiten. Dort bleiben spezialisierte Werkzeuge im Spiel. Die ehrliche Regel lautet: Resolve deckt den weit überwiegenden Teil der Werbe- und Imagefilm-Post vollständig ab. Für den Rest gibt es Gründe, und die sollte man benennen können.
05 — EinordnungIn der Branche gibt es die Tradition, jedes Software-Update zur Nachricht zu machen: Wir arbeiten jetzt mit Version X, freuen Sie sich. Das ist verständlich und sagt über das Ergebnis wenig. Ein Grading wird gut, weil jemand versteht, warum ein Hautton in dieser Beleuchtung kippt — nicht, weil im Menü eine neue Kachel liegt. Dieselben Werkzeuge stehen jedem zur Verfügung, die kostenlose Version inklusive.
Was ein Update tatsächlich verändert, sind Durchlaufzeiten und Abstimmungswege. Beides ist für Kunden real spürbar — nur eben in der Rechnung und im Kalender, nicht im Bild. Genau so würden wir es auch verkaufen.
Public Beta im April zur NAB, aktueller Stand 21.0.4. Studio-Version weiterhin als Einmalkauf für 295 US-Dollar.
Ein Look für Film, Stills und Kampagnenmotive — inklusive Tethered Capture und Zusammenarbeit über Blackmagic Cloud.
Eine synthetische Stimme aus zehn Sekunden Sprachprobe berührt das Persönlichkeitsrecht. Die Klausel gehört in den Sprechervertrag.
Retusche und Farbkorrektur sind unkritisch. Weitreichende Veränderungen können unter Art. 50 Abs. 4 KI-VO fallen.
Schnitt, Grading, Compositing und Ton in einem Projekt verkürzen Durchlaufzeiten und Abnahmeschleifen — nicht die Bildqualität.
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