Seit zehn Jahren wird sein Ende ausgerufen — meistens von Leuten, die nie einen guten gesehen haben.
Jedes Jahr verkündet irgendeine Agentur-Studie das Gleiche: Der Imagefilm sei vorbei, die Aufmerksamkeitsspanne tot, alles müsse jetzt in neun Sekunden passen. Und jedes Jahr drehen wir Filme, die drei Minuten lang sind, und Menschen schauen sie bis zum Ende.
Der Widerspruch hält sich hartnäckig, weil er bequem ist. Wer behauptet, das lange Format sei tot, muss sich nicht mehr anstrengen, eines zu machen, das funktioniert. Es ist einfacher, ein Reel zu schneiden, das niemand zu Ende sieht, als eine Geschichte zu erzählen, die jemand nicht vergisst. Tempo wird mit Relevanz verwechselt, und Reichweite mit Wirkung. Beides hat miteinander erstaunlich wenig zu tun.
01 — Das MissverständnisNatürlich hat sich etwas verändert. Niemand bei klarem Verstand produziert heute noch einen achtminütigen Unternehmensfilm, in dem der Vorstand vor einer Glasfassade über Synergien spricht. Diese Filme waren auch 2010 schon tot — sie wussten es nur noch nicht.
Aber daraus zu schließen, dass nur noch das Kürzeste überlebt, ist ein Denkfehler. Was stirbt, ist nicht die Länge. Was stirbt, ist die Langeweile. Ein guter Imagefilm war nie lang, weil er lang sein sollte — er war so lang, wie die Geschichte es brauchte. Das ist ein Unterschied, den Tabellen mit Verweildauern nicht abbilden können.
02 — Was bleibt»Ein Film, der nichts riskiert, wird nicht zu Ende geschaut. Egal, ob er neun Sekunden oder neun Minuten dauert.«
Marvinfilm — Studio-Notiz, 2026
Es gibt eine Sorte von Botschaft, die das kurze Format strukturell nicht transportieren kann: Vertrauen. Ein Produkt lässt sich in fünfzehn Sekunden bewerben. Eine Haltung nicht. Wer als Marke erklären will, warum er existiert — nicht was er verkauft, sondern warum es ihn gibt — braucht Raum.
Genau diesen Raum liefert der Imagefilm. Nicht weil er ein Format ist, sondern weil er eine Haltung erlaubt. Wir haben Recruiting-Filme gedreht, die vierhundert Bewerbungen ausgelöst haben — nicht trotz ihrer Länge, sondern wegen der drei Minuten, in denen jemand das Gefühl bekam, diesen Laden bereits zu kennen.
Die Dinge, die einen Imagefilm tragen, sind unspektakulär und teuer in der Aufmerksamkeit:
Hier ist die unbequeme Wahrheit für alle, die das Ende des Imagefilms feiern: Je mehr Feeds sich mit austauschbarem, KI-generiertem Bewegtbild füllen, desto seltener — und damit wertvoller — wird der Film, dem man die Arbeit ansieht.
Der Imagefilm ist nicht tot. Er ist nur teurer geworden — nicht im Budget, sondern in der Disziplin. Wir drehen weiter lange Filme. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie funktionieren — wenn man sie ernst nimmt.
Nicht die Länge eines Films entscheidet über die Verweildauer, sondern ob er etwas riskiert. Langeweile stirbt, nicht das lange Format.
Produkte lassen sich in fünfzehn Sekunden bewerben, Vertrauen nicht. Wer erklären will, warum es eine Marke gibt, braucht Raum — den liefert der Imagefilm.
Je mehr Feeds sich mit KI-generiertem Bewegtbild füllen, desto wertvoller wird der Film, dem man die handwerkliche Arbeit ansieht.
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